Die Charaktere      

von

Salutaris Mors

 

 

Aquileia

 

Geboren wurde sie in einem kleinen Land am mittleren See, wo sie lange glücklich mit Ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter lebte. Sie waren nicht sehr reich, doch durch das händlerische Geschick ihres Mannes konnte sich die Familie ein Gut mit mehreren Bediensteten leisten.Es ergab sich, daß die Familie zum Hofe des Königs gerufen wurde, weil das Talent ihres Mannes mit den Dingen geschickt handeln zu können, bis hierin vorgedrungen war. König Kantros, ein Junggeselle beauftragte Gatmon, Aquileias Ehemann, mit einer besonders delikaten Aufgabe, für deren Erfüllung er reich belohnt werden sollte.Der König wollte Prinzessin Laiira, die Tochter seines Stiefbruders heiraten, konnte aber offiziell nicht um Ihre Hand anhalten, da sie bereits ihrem Cousin versprochen worden war. Gatmon sollte nun zwecks Verhandlungen nach Pateria reisen um für seinen Konig die Hand der Prinzessin zu kaufen.Aquileia, Gatmon und ihre kleine Tochter Samana machten sich nun auf eine lange Reise. Gatmon war von seiner Aufgabe nicht erfreut, er ahnte bereits die Gefahren und wollte schon gar nicht das Leben und die Gesundheit seiner Familie gefährden. Hütte er jedoch abgelehnt, wäre sein Ruin sicher gewesen.In Pateria angekommen suchten sie zunächst eine Herberge auf, um dann die ersten Schritte zu planen, wie sie zum dortigen König vordringen konnten. Da Ihre Mission geheim war mußten Sie sehr vorsichtig sein. Sie waren als Reisende getarnt und wollten zunächst auf dem Basar Waren verkaufen. Gatmon kümmerte sich um die Geschäfte während Aquileia versuchte Kontakte zu knüpfen. Es gelang ihnen unter dem Vorwand edle Stoffe aus fernen Ländern zu besitzen, bis zum Hofe des Königs vorzudringen und eine Audienz zu erhalten. Der König war von den Stoffen sichtlich beeindruckt und kaufte für sich und seine Tochter mächtig ein. Gatmon versprach dem König noch wesentlich schönere Stoffe zu besitzen, doch habe er diese aus Angst vor Pländerern nicht mitbringen können. So vereinbarte man einen geheimen Treffpunkt an dem die Ware besichtigt werden sollte.Gatmon hoffte auf diese Weise den König und seine Tochter alleine sprechen zu können um seine Mission voran zu bringen. Alles wurde von Aquileia und Gatmon sorgfältig geplant und bald schon würde das Treffen stattfinden.Nun sollte es endlich soweit sein, der Tag brach an und das Treffen würde in Kürze stattfinden. Gatmon hatte seinen engen Vertrauten Poliak nach Hause geschickt um seinen König über den Verlauf der Dinge zu informieren und Poliak kam mit der Nachricht zurück, daß der König über seine Vorgehensweise hocherfreut sei und die Belohnung reich ausfallen würde.Aquileia und Gatmon hatten alle Vorbereitungen getroffen, ein großes Zelt war aufgebaut, edle Stoffe und Kostbarkeiten ausgestellt und für eine königliche Bewirtung war ebenfalls gesorgt. Die Eltern hatten jedoch in Sorge um das Wohlergehen der kleinen Samana, diese mit Poliak und seiner Frau fortgeschickt. Das Risiko, daß ihr etwas zustoßen könnte wollte man auf keinen Fall eingehen. Die volle Stunde nahte, der König und Laiira trafen mit Eskorte ein. Zunächst wurden die Gäste fürstlich bewirtet, ja man veranstaltete ein richtiges Fest. Als dann die Dämmerung einsetzte und die Gäste genügend Wein getrunken hatten, beschloß Gatmon sich seiner eigentlichen Aufgabe zu widmen. Er näherte sich dem König und bat diesen flüsternd ihn zu einem kleinen Spaziergang zu begleiten. Der König folgte ihm und war sichtlich in Erwartung einer neuen, noch größeren Überraschung. Gatmon geleitete ihn in ein Nebenzelt, wo sich einige schöne junge Frauen leichtbekleidet auf bunten Samtkissen räkelten. Der König hocherfreut lies sich gleich auf einem der Kissen nieder und genoß die erotische Aussicht. Die Mädchen waren extra für dieses Treffen gekommen und sich ihrer Aufgabe wohl bewußt. Mit Tänzen und Gesang benebelten Sie den Verstand des Königs, so konnte Gatmon seine Chance nutzen. Er berichtete dem König von seiner delikaten Mission und hoffte auf Erfolg. Der König jedoch reagierte mit Empörung, niemand hatte es je gewagt ihn so zu beleidigen, er würde sein eigen Fleisch und Blut doch nicht für Geld hergeben. Erbost und wild mit den Armen gestikulierend stand er auf und brüllte nach seiner Leibgarde. Die Zeltwand öffnete sich, aber keine Wachen sondern König Kantros in schwarzer Ritterrüstung und schwer bewaffnet betrat das Zelt . Ohne Worte zückte er sein Schwert und durchbohrte damit zuerst den Leib seines Stiefbruders und dann Gatmons, der vor entsetzen erstarrt war. Die beiden Körper sanken zu Boden und der letzte Hauch Leben verlaß ihre Leiber, die Gesichter vor entsetzen zu Grimassen verzerrt. Die Tänzerinnen die in Todesangst panisch aus dem Zelt geflohen waren, lagen nun ebenfalls tot zu Boden vor dem Zelte.Der Überfall war seitens König Kantros lange geplant gewesen, er hatte Gatmon und seine Leute ständig beobachten lassen, somit konnte er die Gelegenheit nutzen und seine grausamen Pläne in die Tat umsetzen.überall verstreut lagen die Leichen derer die zu Gatmon gehörten, Kantros hatte niemanden verschont, sogar die Kinder der Bediensteten wurden eiskalt ermordet. Der König war sich seines Sieges sicher, er hatte die Prinzessin Laiira in seine Gewalt gebracht, die vor lauter Angst das Bewußtsein verloren hatte und machte sich auf den Heimweg. Er hatte sein Ziel erreicht und das ohne die Belohnung an Gatmon zahlen zu müssen. Da er ebenfalls den König ermordet hatte, war er sich seiner Macht sicher, denn man würde zunächst den Verlust eines Königs verschmerzen müssen, bevor man Rache schwören könnte. Sicherheitshalber hatten die Söldner Kantros überall Feuer gelegt, so konnte man später nicht mehr feststellen, ob die Prinzessin noch lebte oder ebenfalls in den Flammen verbrannt war.Aquileia war von einem Pfeil mitten in die Brust getroffen worden und hatte das Bewußtsein verloren. Durch das Feuer, die Hitze und den Rauch wurde sie jedoch wach und verspürte zunächst einen unmenschlichen Schmerz in ihrer Brust. Sie begriff jedoch sofort, das sie das Zelt in dem sie lag verlassen mußte sonst würde sie sterben. Sie schleppte sich mit letzter Kraft zum Ausgang und erstarrte als sie die Leichen draußen erblicken mußte. Tränen schossen ihr ins Gesicht und blind vor Übelkeit und Haß lief sie fort. Ihre Füße trugen sie weg ohne Ziel und Richtung, einfach nur fort von diesem grausamen Ort.Irgendwann verließen sie auch die letzten Kräfte, sie brach zusammen und fiel in einen tiefen festen Schlaf. Nach zwei Tagen wachte sie auf, sie befand sich immer noch an der gleichen Stelle, an der sie zusammengebrochen war, der Pfeil der in ihrer Brust steckte lag jedoch neben ihr und ihre Wunde war mit Stoff von Ihrer Kleidung verbunden worden. Ihr war immer noch sehr schwindelig und sie versuchte sich an das Geschehene zu erinnern. Eine innere Stimme sagte ihr, das Gatmon nicht mehr am Leben war und eine tiefe Trauer durchdrang ihren ganzen Körper. Sie schrie, weinte und Krämpfe schüttelten Ihren Körper, bis sie in einen tranceartigen Zustand verfiel. So verweilte sie eine lange Zeit, bis sie ihre Sinne wieder sammeln konnte.Samana, Samana, Samana, war ihr einziger Gedanke. Sie mußte ihre Tochter finden, das Kind war alles was sie noch hatte. Sie machte sich auf, denn Poliak und seine Frau hatten Samana. Ihre kleine Tochter sollte nicht bei solchen Verrätern aufwachsen müssen. Getrieben von der Kraft einer liebenden Mutter in Sorge um ihr Kind, raffte sie sich auf, setzte langsam einen Schritt vor den anderen und machte sich auf die Suche. Sie hatte nichts, keinen Anhaltspunkt, keine Richtung, doch sie wußte das Samanas Liebe und Verlangen nach der Zuneigung der Mutter ihr den richtigen Weg zeigen würde...